Diese Frage stellen sich neuerdings mehr und mehr „systemrelevante“ prominente Köpfe, nicht etwa in den völlig überflüssigen und indoktrinierenden Polit-Talkshows, sondern in ihren renommierten Zeitungen, gerne auch Leitmedien genannt, die sie mitverantworten.
Der angesehene konservative Charles Moore etwa, englischer Journalist und ehemaliger Chefredakteur des britischen Daily Telegraph. Er war einst Feuer und Flamme für Margaret Thatchers (Premierministerin von Großbritannien und Nordirland 1979 - 1990) Ideen und hat deren Umsetzung journalistisch begleitet. Jetzt ist er sich nicht mehr sicher:
“It has taken me more than 30 years as a journalist to ask myself this question, but this week I find that I must: is the Left right after all?”
Zu Deutsch: "Es hat mehr als dreißig Jahre gedauert, bis ich mir als Journalist diese Frage stelle, aber in dieser Woche spüre ich, dass ich sie stellen muss: Hat die Linke am Ende doch recht?"
Charles Moore ist zudem Verfasser der offiziellen Thatcher-Biografie, die erst nach Margaret Thatchers Tod veröffentlicht werden darf.
Und es geht weiter mit einer deutschen Medienautorität:
„Ein Jahrzehnt enthemmter Finanzmarktökonomie entpuppt sich als das erfolgreichste Resozialisierungs-programm linker Gesellschaftskritik. So abgewirtschaftet sie schien, sie ist nicht nur wieder da, sie wird auch gebraucht.“
So der ebenfalls renommierte konservative Frank Schirrmacher in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, deren Mitherausgeber er seit 1994 ist.
Er moniert zudem, mit welcher Sprachlosigkeit die Kanzlerin und ihre Partei das moralische Vakuum bürgerlicher Politik verwalten: „kein Wort, nichts, niemand.“
Und die FDP? „Niemand würde der existierenden liberalen Partei besondere moralische Kompetenz zusprechen …“
Außerdem:
„Im bürgerlichen Lager werden die Zweifel immer größer, ob man richtig gelegen hat, ein ganzes Leben lang.“ Ferner: „Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat.“
Derweil schreibt Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, bei GodmodeTrader am 10. August 2011, er sehe in den aktuellen Marktturbulenzen „koordinierte Interessen“ am Werk:
„Die Aggressivität und die Feuerkraft dieser koordinierten Interessen, die sich zu größten Teilen aus dem unregulierten Hedge Fund Bereich rekrutieren und sich maßgeblich derivativer Instrumente mit hoher Hebelwirkung bedienen, sind in der Lage innerhalb von Stunden systemische Risiken für das Finanzsystem zu kreieren oder Länder und Gesellschaften, die genau das Richtige im Gegensatz zu den USA oder Japan unternehmen, an den Rand der Existenz zu drücken.“ …
„Dabei ist deutlich, dass es eine Tendenz gibt, die USA und das UK aus dem Feuer zu halten und Europa, die Schweiz oder auch andere Länder (…) zu den Spielplätzen der latenten Unruhe zu machen, obwohl gerade diese Regionen durch sensible Reformpolitik und oder Stabilität reüssieren.“ …
„Eine solche antiautoritäre Spielart impliziert immer auch eine politische Agenda. Man könnte förmlich den Eindruck gewinnen, dass hier eine Form des Finanzkriegs um hegemoniale Macht und das Recht der Themendeterminierung stattfindet.“
Die Einlassungen von Folker Hellmeyer legt Gabriela Simon für ihren „der Freitag-Artikel“ vom 18. August 2011 „Aggressivität und Feuerkraft“ zugrunde und erklärt uns:
„Wie Hedgefonds und Banken europäische Sozialstaaten in die Enge treiben, die sich rigiden Spardiktaten unterwerfen sollen – oder aber um ihre Bonität fürchten müssen“ – ausgesprochen spannend und deprimierend!
Siehe auch: Lukrezia Jochimsen - Die Linke hat recht! Aber was nutzt das?