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11. Oktober 2011 Jürgen Beineke

Neuer Sozialbericht für Deutschland - 'Einmal arm, immer arm'

Datenreport 2011: Neuer Sozialbericht für Deutschland.

Der alle zwei Jahre erscheinende Datenreport ist ein Gemeinschaftsprojekt des Statistischen Bundesamtes, des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). In der Untersuchung werden die Ergebnisse der Statistiker und der sozialwissenschaftlichen Forschung zusammengeführt, um ein differenziertes Bild der Lebensverhältnisse in Deutschland zu zeichnen.

"Der Satz: 'Einmal arm, immer arm' gilt. Die soziale Mobilität in Deutschland nimmt ab", sagte die Soziologin Jutta Allmendinger bei der Präsentation des Berichts.

Das Risiko, der Armut nicht mehr entkommn zu können, ist nach diesem Bericht seit den 80er Jahren kontinuierlich gestiegen. Während damals 57 Prozent der Armen dauerhaft im untersten Einkommensbereich der Gesellschaft verblieben, handele es sich heute um 65 Prozent. "Das heißt, weniger Menschen gelingt es, ihre Einkommenssituation wieder zu verbessern", sagte der Sozialforscher Roland Habich vom Wissenschaftszentrum Berlin.

Zudem: In kaum einem europäischen Land hängen die Bildungschancen der Kinder so stark vom Ausbildungsstand der Eltern ab wie in Deutschland. Und in kaum einem Nachbarstaat ist der soziale Aufstieg so mühsam wie hierzulande. Ein Armutszeugnis für das ökonomisch stärkste Land Europas.

"Die Verteilung der Kinder auf die Schularten macht den Einfluss des familiären Hintergrunds deutlich. Generell gilt: Je höher der allgemeine oder berufliche Abschluss der Eltern, desto geringer waren die Schüleranteile an Hauptschulen sowie Einrichtungen des Übergangssystems, und desto höher waren die Schüleranteile an Gymnasien" so der Bericht.

Und weiter: "Während nur 10 % der Gymnasiasten in Familien aufwuchsen, in denen die Eltern einen Hauptschulabschluss oder keinen allgemeinen Schulabschluss als höchsten Schulabschluss besaßen, war der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit diesem sozialen Status an Hauptschulen mit 56 % fast sechsmal so hoch. Dagegen fanden sich an Gymnasien hauptsächlich Kinder, deren Eltern die (Fach-) Hochschulreife aufwiesen (59 %). An Hauptschulen war diese Schülergruppe mit nur 13 % vertreten."

Seit Jahren beten es die Politiker in Sonntagsreden herunter: Bildung ist in einem rohstoffarmen Land der Schlüssel zum Wohlstand der Nation. Deutschland braucht mehr junge Menschen mit Schul- und Berufsabschluss. Doch über diese Lippenbekenntnisse hinaus bringen sie kaum etwas zustande.

Deutschland gibt im internationalen Vergleich nach wie vor viel zu wenig Geld für Bildung aus. Und die vorhandenen Programme erreichen die bildungsfernen Schichten längst nicht ausreichend. Seit Jahren beklagen Bildungsforscher die mangelnde Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem. Sie fordern Ganztagsschulen und warnen vor der frühen Selektion von Schülern im dreigliedrigen Schulsystem.

Der Fortschritt in der Bildungspolitik ist eine Schnecke, und in NRW etwa soll das dreigliedrige Schulsystem sogar noch in der Verfassung des Landes festgeschrieben werden - welch ein Anachronismus, welch eine Ignoranz.

 

Pressemitteilung: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Datenreport 2011 - Kapitel 3/Bildung: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung