Dr. med. Philipp Rösler (FDP), seit Mai 2011 vorübergehend Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, feierte noch am 03.01.2012 den deutschen Arbeitsmarkt: «Das Jahr 2011 kann als das mit Abstand erfolgreichste Jahr für die Erwerbstätigen im wiedervereinigten Deutschland bezeichnet werden». Eine naive Diagnose des Arztes, wie die Gewerkschaft IG Metall mit der Vorstellung ihres Jahrbuchs "Gute Arbeit 2012" in Berlin aufzeigt.
Die Zahl psychischer Störungen von Arbeitnehmern nimmt nämlich bedenklich zu. Die Ursache ist laut IG Metall Stress, der sich aus miserablen Arbeitsbedingungen ergibt.
Hans-Jürgen Urban, Vorstandsmitglied bei der IG-Metall, zufolge sind besonders prekär Beschäftigte wie beispielsweise Leiharbeiter psychischen Belastungen ausgesetzt: Die Unsicherheit ihrer Arbeitsverhältnisse ist ein akuter Stressfaktor. Zudem fühlten sich weder die Zeitarbeitsfirmen noch die Betriebe, die Leiharbeiter einsetzen, für die Betreuung dieser Mitarbeiter zuständig.
Verlässliches Einkommen, ein sicherer Arbeitsplatz, sowie ein unbefristetes Arbeitsverhältnis, die für die allermeisten lohnabhängig Beschäftigten herausragend wichtig sind, stehen prekär Beschäftigten nicht zur Verfügung - mit entsprechend fatalen Folgen.
Die Anzahl der Fälle von Arbeitsunfähigkeit aufgrund psychischer Erkrankungen ist z. B. unter AOK-Mitgliedern zwischen 1999 und 2010 um 69,7 Prozent gestiegen.
Ebenso nimmt die Frühverrentung wegen verminderter Erwerbsfähigkeit aufgrund psychischer Störungen zu. Waren davon 1993 noch gut 41.000 Personen betroffen, waren es 2010 schon 71.000 - 71 Prozent mehr in 18 Jahren. Laut Deutscher Rentenversicherungen machen die Frühverrentungen aufgrund psychischer Störungen 2010 bereits fast 40 Prozent aller Frühverrentungen aus. Damit sind psychische Erkrankungen der mit großem Abstand wichtigste Grund für Frühverrentungen überhaupt.
Lesen Sie hierzu auch den ausführlichen Bericht von Silvio Duwe 'Arbeit macht zunehmend psychisch krank' in TELEPOLIS vom heutigen Tage.