An den Grundschulen Castrop-Rauxels hat die Schulverwaltung in dieser Woche mit der anonymen Eltern-Befragung hinsichtlich deren Wünsche zu den weiterführenden Schulformen ab 2013/14 begonnen. Angesprochen sind 1.396 Eltern von Kindern der zweiten und dritten Schuljahre, und von denen hagelt es Kritik.
Damit hat die Schulverwaltung die nächste Entscheidungsrunde zum Schulentwicklungsplan 2010 eingeleitet.
Nachdem vor den Sommerferien der Bereich der Grundschulen abgearbeitet und dabei das Szenario für die Standortschließungen von fünf Castrop-Rauxeler Grundschulen im Rahmen einer großen Koalition von SPD und Bündnis90/Die Grünen, sowie der CDU und FDP verabredet und im Rat der Stadt beschlossen wurde, geht es jetzt weiter mit den Sekundarstufenschulen.
Konzeptionelle Überlegungen spielten in Frühjahr und Sommer des Jahres zu keinem Zeitpunkt eine Rolle. Es ging ausschließlich um die Reduzierung von Schulraum - mit dem bekannten Ergebnis.
Außerdem: Unter Aufgabe ihrer entsprechenden eigenen Positionen (1) vor und während der Landtagswahlen hatten sich SPD und Bündnis90/Die Grünen kurz vor den Sommerferien auf Landesebene listig mit der CDU zusammengetan und eine rotgrünschwarze neue Mittelschule mit dem Namen Sekundarschule erfunden. Und sie wollen sicherheitshalber zu allem Überfluss das gegliederte Schulsystem in die NRW-Verfassung aufnehmen:
Hoch lebe der Anachronismus, hoch lebe die Ignoranz!
Alle Welt (außer die der NRW-Politiker der rotgrünschwarzen Landesschulkoalition) weiß:
In kaum einem europäischen Land hängen die Bildungschancen der Kinder so stark vom Ausbildungsstand der Eltern ab wie in Deutschland. Und in kaum einem Nachbarstaat ist der soziale Aufstieg so mühsam wie hierzulande.
Die Argumente müssen hier nicht zum x-ten Mal wiederholt, können aber bei Bedarf mithilfe des aktuellen "Datenreport 2011: Neuer Sozialbericht für Deutschland" (2) vertieft werden.
Auf Grund unserer Vorerfahrung während der ersten Erörterungsphase hier in Castrop-Rauxel gehen wir davon aus, dass konzeptionelle Entwürfe im Sinne der Wahlprogramme von SPD und Bündnis90/Die Grünen auch in dieser Runde keine Rolle spielen werden.
Ganz anders bei uns - wir stehen zu unserem Wort!
Wir bekennen uns weiterhin zu einem ganzheitlichen Schulkonzept, das sowohl den Primar- als auch den Sekundarbereich mit gymnasialer Oberstufe unter Einbeziehung der Kinder- und Jugendlichen mit Sonderpädagogischem Förderbedarf im Sinne sozialer Inklusion berücksichtigt und längeres gemeinsames Lernen ermöglicht.
Vor dem Hintergrund der Fakten, die die rotgrünschwarze Landesschulkoalition geschaffen hat und unserer Grundüberzeugung, dass ein leistungsstarkes Schulsystem keine, wie auch immer geartete Mittelschule benötigt, unterstützen wir hier in Castrop-Rauxel auf der Ebene der Sekundarstufe das Konzept
Die Gesamtschule ist neben dem Gymnasium die einzige Schulform, die Kinder und Jugendliche in der Sekundarstufe I und Sekundarstufe II durchgehend (also länger gemeinsam) besuchen können, wenn die örtliche Gesamtschule über eine gymnasiale Oberstufe verfügt.
(1) Die SPD stellte in ihrem Wahlprogramm zur Landtagswahl 2010 fest: “Nordrhein-Westfalen braucht seine Kinder, seine Talente – und zwar alle! Das mehrgliedrige Schulsystem verschwendet Talente, zu viele Schülerinnen und Schüler werden abgeschult, zu viele bleiben sitzen, zu viele verlassen die Schule ohne Abschluss. Noch immer erlangen zu wenige die Berechtigung zum Hochschulzugang. Wir wollen das erfolgreiche gemeinsame Lernen in Vielfalt in den Grundschulen auf die weiterführenden Schulen übertragen.”
Kinder gehören nämlich nicht in Schubladen! - Schade nur, dass sie es vergessen haben! Interessant in diesem Zusammenhang die Meldung der SPD vom 10. Mai 2007: "CDU in NRW betreibt eine Bildungspolitik von vorgestern" - ironischerweise wird diese antiquierte Politik jetzt von einer grünen Schulministerin betrieben!
(1) Bündnis90/Die Grünen formulierten in ihrem Zukunftsplan für NRW 2010: “Wir wollen die Schule von Grund auf neu denken und gestalten. Dabei greifen innere und äußere Schulreform ineinander: Individuelle Förderung – Gemeinschaft erleben und gestalten: Gemeinsam lernen bis zum Ende der Pflichtschulzeit! ... Noch immer hängt der Bildungserfolg von der sozialen Herkunft der Kinder und Jugendlichen ab. Kinder werden im Alter von nicht einmal neun Jahren einem Ausleseprozess unterworfen. Wir müssen an den Schulen Schluss machen mit dem Abschulen, Aussortieren und Beschämen. Wir müssen aufhören zu fragen: Zu welcher Schulform passt das Kind?"
Und ein schönes Foto zu dieser schönen Vision haben sie auch! - Alles Augenwischerei!
(2) Datenreport 2011 - Kapitel 3/Bildung: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
Fußnote:
Erinnerungsaktion der Fraktion DIE LINKE am 09.09.2011 im NRW-Landtag.
Mit Wahlkampf-Plakaten von SPD und Grünen erinnerte die Fraktion DIE LINKE am 09. September 2011 während der Landtags-Sondersitzung zum sogenannten Schulfrieden die Regierungsfraktionen an ihre vollmundigen, aber gebrochenen Versprechen.